Kinetose – wenn das Reisen Übelkeit verursacht

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … – So heißt es in dem bekannten Kinderlied. Doch für viele Menschen ist das Gegenteil der Fall. Sie werden von dem Geschaukel auf dem Wasser seekrank und reagieren mit Übelkeit, Kopfschmerz, Schwindel und Schweißausbrüchen. Vorbei die gute Laune. Gerade die schönste Zeit des Jahres kann durch unangenehme Symptome wie Übelkeit und Schwindel getrübt sein – das beginnt unter Umständen bei der Anreise an den Urlaubsort mit dem Auto, Zug oder Flugzeug. Auch vor Ort kann ein freudig erwarteter Ausflug wortwörtlich übel enden – weil einem selbst oder den Kindern bei der Busfahrt über Serpentinen oder auf der Fähre zur Nachbarinsel schlecht wird. Doch wie entsteht die See- oder auch Reisekrankheit (Kinetose) und was kann man dagegen tun?

Widersprüchliche Sinneseindrücke

Das Phänomen, auf ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen mit teils heftigen Symptomen zu reagieren, nennen Mediziner Kinetose. Diese kann genauso wie bei einer Schiffsfahrt auch bei Reisen im Auto, Zug, Bus oder Flugzeug auftreten, auch bei Aufenthalten in der Höhe. Sogar durch Computerspiele oder einen Flugsimulator lässt sich eine Kinetose auslösen. Daher nennt man sie auch Reisekrankheit, Bewegungskrankheit oder Bewegungsschwindel.

Egal in welcher Situation die Kinetose auch auftritt, die Ursache ist immer die gleiche: Das Gehirn erhält widersprüchliche Signale der einzelnen Sinnesorgane, vor allem der Augen und des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Die Augen können die gefühlte Bewegung nicht nachvollziehen, im Gehirn entsteht ein Fehlersignal.

Unser Gleichgewichtssinn im Ohr

Mit den Ohren können wir nicht nur Schallwellen aufnehmen und damit hören, sondern uns auch im Raum orientieren, denn im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan. Es besteht – vereinfacht gesagt – aus drei runden Kanälen (Bogengängen) und zwei Säckchen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und kleine Sinneshärchen umspülen. Dreht sich der Kopf, so drehen sich das Innenohr und die Flüssigkeit mit. Die Härchen werden vom Flüssigkeitsstrom umgebogen und registrieren so eine Bewegung. Dies senden sie als Bewegungssignal ans Gehirn. Dabei registrieren die drei Bogengänge alle dreidimensionalen Bewegungen des Kopfes, d. h. nach oben oder unten, nach rechts oder links und seitwärts; die Sinneshärchen in den beiden Säckchen dagegen registrieren Beschleunigungen, also zum Beispiel wenn man fällt, in der Achterbahn nach unten saust, auf kurvenreichen Straßen unterwegs ist oder auch mit dem Auto stark abbremst.

Das Gehirn verarbeitet alle diese Informationen und gibt sie an andere Organe weiter, etwa an die Augen, Gelenke oder Muskeln. So können wir uns nicht nur im Raum orientieren, sondern auch den Körper ausbalancieren.

Eine Kinetose entsteht dann, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen erhält. Das passiert zum Beispiel, wenn man während einer Autofahrt liest. Der Gleichgewichtssinn registriert zwar die Bewegung und Veränderungen der Geschwindigkeit, das Auge aber sieht nur den Text – und der bewegt sich nicht. Das Gehirn löst unbewusst Alarm aus, der Körper schüttet den Botenstoff Histamin aus, der Übelkeit bis hin zu Erbrechen hervorrufen kann.

Seemänner sind selten seekrank

Grundsätzlich kann jeder an Reisekrankheit leiden, allerdings sind Kinder häufiger betroffen: Bei ihnen ist das Gleichgewichtsorgan sensibler als bei Erwachsenen, ihnen wird auf Reisen daher schneller einmal schlecht. Am häufigsten leiden Kinder zwischen dem 2. und 12. Lebensjahr darunter. Mit dem Alter lässt die Empfindlichkeit nach, ab etwa 50 Jahren ist Kinetose eher selten. Faktoren, die eine Kinetose begünstigen können, sind Übermüdung, Hunger, Kälte und Angst. Auch scheint die Veranlagung eine Rolle zu spielen: Während 5 bis 10 Prozent aller Menschen sehr sensibel auf Bewegungen reagieren, macht 5 bis 15 Prozent selbst der höchste Wellengang nichts aus.

Dazu kommt eine gute Portion Gewöhnung: Seeleute, die längere Zeit auf dem Wasser verbringen, gewöhnen sich an die neue Situation, bis sie für sie ganz normal ist. Das kann so weit gehen, dass sie „landkrank“ sind, sobald sie wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Was tun bei Kinetose?

Wer weiß, dass er unter Reisekrankheit leidet, oder mit Kindern unterwegs ist, denen schnell schlecht wird, kann vor Antritt der Reise ein Medikament gegen Reiseübelkeit einnehmen. Tabletten oder Saft mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat etwa unterdrücken den Brechreiz (Antiemetika), indem es die Bindungsstelle für Histamin im Gehirn blockiert. Der Botenstoff kann so nicht mehr andocken, Übelkeit und Erbrechen werden gemildert. Hat die Übelkeit jedoch schon eingesetzt, ist es dafür meist zu spät. Dann können noch Zäpfchen eine Alternative sein. Darüber hinaus helfen einige Verhaltensmaßnahmen, die widersprüchlichen Gleichgewichtsinformationen und damit Kinetose zu vermeiden oder zu reduzieren:

  • Vor Beginn der Reise nur eine leichte Mahlzeit einnehmen
  • Auf Alkohol, fettes Essen und Kaffee verzichten
  • für Frischluft sorgen, intensive Gerüche meiden
  • Im Auto oder Bus möglichst vorne sitzen
  • Bei Bus- oder Zugfahrten in Fahrtrichtung sitzen
  • Pausen einlegen
  • auf dem Schiff den am wenigsten schwankenden Punkt aufsuchen
  • den Blick auf den Horizont richten und versuchen, die Bewegung des Schiffs auszugleichen
  • im Bus möglichst weit vorne sitzen, dort schaukelt es weniger
  • den Blick auf die Straße richten
  • Antiemetika in die Reiseapotheke packen und griffbereit haben, eventuell auch schon vor Reiseantritt einnehmen

Wenn Sie diese Punkte beachten, steht einem schönen Urlaub für Sie und Ihre Familie nichts mehr im Wege.

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