Interview: Wenn der Koch seekrank wird

Quelle: Getty / E+

Zur Person

Nach 45.000 Seemeilen und viereinhalb Jahren auf See beendete Mareike Guhr, 48-jährige Seglerin aus Hamburg, ihre Weltumsegelung. 37 Länder hat sie bereist und 143 Inseln besucht, 140 Mitsegler haben sie insgesamt auf ihrer Reise an Bord des Katamarans "La Medianoche" begleitet. Mareike Guhr ist damit eine der wenigen Frauen, die eigenverantwortlich die Welt umsegelt haben. 

 

Sind Sie selbst schon einmal seekrank geworden? Oder wird Ihnen vielleicht im Bus oder der Achterbahn dafür mulmig?

Ich habe das große Glück, nicht wirklich von Seekrankheit betroffen zu sein. Das letzte Mal habe ich vor 25 Jahren auf der berüchtigten Doggerbank in der stürmischen Nordsee gelitten, einmal kurz gespuckt und dann war alles wieder gut. Aber ich weiß, dass ich da sehr robust bin und auch sonst nicht an Reiseübelkeit leide. Auch Serpentinen machen mir nicht viel aus.

Wie helfen Sie Mitreisenden mit Seekrankheit?

Wenn jemand seekrank wird, braucht er als erstes einen sicheren Platz im Lee (Windabgewandte Seite an Bord) oder einen Eimer. Dann hilft ablenken, den Betroffenen etwas zu tun geben, die Seekrankheit aus dem Mittelpunkt rücken. Wenn es gar nicht besser wird, gibt es Tabletten gegen Übelkeit.

Was gibt es sonst noch für Tipps zur Vorbeugung, kann man sich trainieren?

Wichtig ist, sich nicht darauf zu fixieren. Wer die ganze Zeit daran glaubt, bald seekrank zu werden, wird es auch viel schneller sein. Zuallererst gilt es, den Magen nicht zu reizen - also vor dem Ablegen keine großen Portionen oder fettige Speisen zu essen, keine säureanregenden Lebensmittel wie Kaffee und Orangensaft zu sich nehmen. Dann empfehle ich eine Mischung aus Ablenkung und Ruhe. Man sollte nicht zu viel Aufgaben auf einmal haben, Hektik und unübersichtliche Situationen vermeiden - also Sicherheit vermitteln, denn die Psyche spielt eine große Rolle bei der Seekrankheit. Unterwegs hilft Ingwer, frische Luft und den Horizont zu fixieren. Bloß nicht im stickigen Schiffsinneren aufhalten. Wer sehr empfindlich ist, sollte vor Reiseantritt ein Mittel einnehmen. Meiner Erfahrung nach lässt Seekrankheit aber spätestens nach zwei Tagen nach. Der Körper ist dann „eingegroovt.“

Wer darf an Bord eigentlich auf keinen Fall seekrank werden?

Als Schiffsführer ist es natürlich ganz besonders ungünstig seekrank zu werden, denn die Leistungs- und Einsatzfähigkeit wird stark eingeschränkt. Wenn der Koch seekrank wird, muss er an die frische Luft und jemand anders übernimmt die Kombüse, damit die Crew gut versorgt wird. Bei mir an Bord hat jeden Tag jemand anders gekocht, daher war das nicht wirklich ein Problem.

Gab es wegen Seekrankheit schon mal eine wirklich brenzlige Situation an Bord?

Es ist immer blöd, wenn ein Crewmitglied leidet, ausfällt und sich jemand um den Kranken kümmern muss. Dadurch fehlen oft helfende Hände. Wer gut vorbereitet ist, hat auch diese Situation eingeplant und im Griff. Aber ich hatte gerade so einen Fall. Wir waren nur zu zweit unterwegs und ich hatte nicht gedacht, dass mein Crewmitglied so komplett ausfällt, dass ich wirklich alles alleine machen muss. Der Wind nahm zu, der Autopilot kam mit der Welle nicht zurecht und ich konnte nicht von Steuer weg. Da fehlte definitiv eine helfende Hand. 

Was ist das für ein Gefühl, nach so langer Zeit auf See wieder auf festem Boden zu stehen?

Nach langen Passagen, wie einer Atlantiküberquerung, schwankt der feste Boden ganz schrecklich. Mir wird dann manchmal ein bisschen schwindelig. Fast so, als wäre man seekrank. Aber das gibt sich nach ein paar Stunden schnell wieder. Nicht selten kommt das Schwanken aber auch vom ersten Anlegerschluck nach Wochen ohne Alkohol - vor allem in der Karibik, wo man sofort einen Rumpunsch in die Hand gedrückt bekommt (lachend).

Was ist ihr Liebling-Segelziel?

Ich bin seglerisch auf der Ostsee aufgewachsen und liebe die kleinen dänischen Inseln, aber mittlerweile genieße ich es einfach sehr viel mehr, im Warmen zu segeln. Der Pazifik ist für mich der schönste und größte Ozean der Welt!

Was bedeutet Ihnen das Segeln?

Es ist mein Leben. Ich bin so sehr verbunden mit dem Meer, dass sich ein Leben im Binnenland für mich wie ein Gefängnisaufenthalt anfühlen würde. Meine Arbeit, meine Kompetenz, meine Freizeit, meine Freunde – alles ist mit dem Segeln verknüpft. Nur ganz selten muss ich da mal raus und mich mit etwas Anderem beschäftigen. Wobei mir auf meinen Reisen natürlich viele ganz spannende Themen zur Kultur der Menschen und Länder begegnen.

Artikel teilen

Mehr zum Thema

Fragen zum Thema Verdorbener Magen

Hinter einer Vergiftung muss nicht gleich "Arsen" stehen, auch viel alltäglichere Gründe können der Auslöser sein. Sie reichen von verdorbenen Lebensmitteln und übermäßigem Alkoholkonsum bis hin zu Vergiftungen durch die Aufnahme chemischer Substanzen.

Im Fall einer Vergiftung versucht Ihr Körper die Auslöser dieser Vergiftung, bzw. Toxine auszuscheiden, zu diesem Zweck löst Ihr Körper den Vorgang des Erbrechens aus. Daher sollte Vomex A erst eingesetzt werden, wenn das Erbrechen länger als einen Tag anhält.